360°-Videos für Verlage und in der Bildung: IntoVR auf der Frankfurter Buchmesse

IntoVR-Autorin Christiane Wittenbecher hat auf der Frankfurter Buchmesse beim „Orbanism Space“ Wege aufgezeigt, wie Verlage professionell produzierte 360°-Videos nutzen können. Bücher, Bildung und VR – so geht’s.

 

„Für uns ist alles geeignet, wo wir die Geschichte zum Erlebnis machen können“. Christiane Wittenbecher strahlt, als Moderator Leander Wattig sie fragt, was am überfüllten Stand des „Orbanism Space“ viele wissen wollen: Wie lassen sich Bücher, Bildung und klassische Formen des Storytellings mit Innovationen wie Virtual Reality (VR) und 360°-Video verbinden.

Vom Buch zum 360°-Film

Christiane Wittenbecher ist zur Frankfurter Buchmesse gefahren und berichtet über Möglichkeiten. Als Beispiel hat sie einen 360°-Film von der Gedenkstätte Hohenschönhausen und IntoVR dabei, bei dem sie selbst das Drehbuch geschrieben hat: „Was wollten Sie in Berlin?!“ – Als Häftling im Stasi-Gefängnis.

Dabei war ein Buch die entscheidende Vorlage: „Vernehmungsprotokolle“ von Jürgen Fuchs, einem ehemaligen Häftling der DDR-Staatssicherheit. Das 360°-Erlebnis versetzt Zuschauer in einer beeindruckend unmittelbaren Art und Weise in die Rolle des Häftlings, der von Vernehmern ausgefragt, angeschrien und eingesperrt wird.

 

Zwischen Werbe-Aufstellern bei Orbanism Space. Christiane Wittenbecher spricht über "Was wollten Sie in Berlin?!"

Zwischen Werbe-Aufstellern bei Orbanism Space. Christiane Wittenbecher spricht über „Was wollten Sie in Berlin?!“

Bei diesem Beispiel wird deutlich: Es gibt viele Möglichkeiten der Umsetzung. In dem Projekt mit der Gedenkstätte Hohenschönhausen hat IntoVR allein vier Versionen mit unterschiedlichen Längen geschnitten. Kürzere für Social-Media-Präsentation, zum Beispiel auf Facebook, eine Drei-Minuten-Version für Messe-Situationen und eine lange Fassung von neun Minuten.

Gleichzeitig ist es denkbar, nur einzelne Aspekte von Büchern zum Beispiel zum Verkaufsstart in 360° darzustellen. Immersive Inhalte sollen den Kauf des Buches jedenfalls (noch) nicht ersetzen, sondern den Verkauf eher fördern. Eine besondere Chance bietet das Thema im Bereich Schul- und Sachbücher als Ergänzung.

Eine Besucherin des "Orbanism Space" auf der Frankfurter Buchmesse bei der Präsentation mit VR-Brille

Eine Besucherin des „Orbanism Space“ auf der Frankfurter Buchmesse bei der Präsentation mit VR-Brille

Wie zeige ich 360°-Videos

In ihrer zwanzigminütigen Keynote zu Beginn zeigte Christiane Wittenbecher auch Wege der Präsentation auf, solange VR-Brillen im Massenmarkt noch nicht den Durchbruch geschafft haben: Launch-Parties, Messen, Lesungen und viele weitere Beispiele. „Immer dort, wo wir Interessenten in einer VR-Kino-ähnlichen Situation eine VR-Brille aufsetzen können, ist es besonders spannend“. Außerdem können Verlage 360°-Videos zusätzlich auf Plattformen wie Youtube und Facebook ausspielen.

Verlage und VR

Mit auf dem Podium Sabina Ciechowski, Marketing-Chefin des Verlags Rowohlt, wartet bei der Frage nach computergenerierten interaktiven Erlebnissen noch auf eine größere Verbreitung von hochwertigen VR-Brillen in der Breite. „Dann werden wir als Content-Creator zuschlagen. Für mich ist es noch etwas zu früh. 360° Video ist schon etwas anderes, und ich kann mir auch AR mal in einer Marketingmaßnahme vorstellen“. Aber 3D-Games in VR seien für Rowohlt derzeit noch kein Thema, so Ciechowski.

 

Sabina Ciechowski, Marketing-Chefin des Verlags Rowohlt

Sabina Ciechowski, Marketing-Chefin des Verlags Rowohlt

Schulen: VR im Unterricht

Neben der Frage, wie man Bücher mit immersiven Erlebnissen begleiten kann, ging es auch um den Bereich Bildung. Marcus Ventzke vom Institut für digitales Lernen stellte Augmented-Reality-Anwendungen (AR) vor. Er setzt vor allem am Bedarf der Bildungseinrichtungen an, neue didaktische Maßnahmen einzuführen. So werde zum Beispiel häufig gefordert: „Der Unterricht muss multiperspektivisch sein“. Da will Ventzke ansetzen: „Technologie nutzen um solche Fehlstellen – auch im methodischen Bereich – auszufüllen.“

 

Marcus Ventzke vom Institut für digitales Lernen

Marcus Ventzke vom Institut für digitales Lernen

 

Er erwähnte das Beispiel von der Gedenkstätte Hohenschönhausen und IntoVR: „Was das heißt, über die Gänge zu gehen, eingesperrt zu sein…, ich kann das mit solchen Techniken viel besser rüber bringen, damit komme ich deutlich weiter, als wenn ich sage ‚lies den Text'“.

 

Ein „VR-Kino“ für Lehrer und Schüler

Man könne es auch als Ergänzung sehen, so Christiane Wittenbecher, sie verwies auf die Möglichkeit der Einbettung eines „VR-Kino“-Teils in Lehreinheiten oder Veranstaltungen. Bei der Premiere des Films in der Gedenkstätte Hohenschönhausen beispielsweise habe es neben dem VR-Erlebnis für die rund 100 Gäste auch Vorträge und eine Diskussion gegeben. Die Gedenkstätte Hohenschönhausen will den mit IntoVR produzierten 360°-Film auch in Seminaren mit Schülern einsetzen.

 

 

Gleichzeitig verriet Christiane Wittenbecher, dass IntoVR noch in diesem Jahr ein weiteres Projekt im Bereich Bildung/Schule produzieren wird. Details sind aber noch geheim. Nur eines steht fest: Bücher, Wissen, Unterrichtsmaterialien lassen sich wunderbar mit 360°-Video ergänzen. Ob in der Schule und Universtäten oder in Workshops/Seminaren in der Fortbildung, in der politischen Bildung. Das Erleben von Inhalten auf VR-Brillen kann Zuschauern, Lesern oder Kunden ganz besondere Einblicke geben.

Und, so Christiane Wittenbecher, das sei heute gar nicht mal mehr so teuer. „Entscheidend sind die Ideen“, sagt die Journalistin. Wie preiswert sich eine Produktion beispielsweise für eine Bildungseinrichtung umsetzen lasse, hänge aber mit den eingesetzten Kameras, der Anzahl der Drehtage und anderen Faktoren ab.

 

Christiane Wittenbecher ist neben ihrer Arbeit als 360°-Filmemacherin regelmäßig als Speakerin und Trainerin unterwegs. Bei der VRNowCon im November in Potsdam gibt sie gemeinsam mit Teamkollegin Susanne Dickel einen Workshop in VR Storytelling.

Christiane Wittenbecher ist neben ihrer Arbeit als 360°-Filmemacherin regelmäßig als Speakerin und Trainerin unterwegs. Bei der VRNowCon im November in Potsdam gibt sie gemeinsam mit Teamkollegin Susanne Dickel einen Workshop in VR Storytelling.