Ethik in VR – Susanne Dickel bei Berliner Festspielen

„VR ist he Message – Does immersive journalism change the perspective“ – das war der Titel des gut besuchten Panels zu VR-Journalismus bei den Berliner Festspielen.

 

Graham Roberts, New Yor Times
Graham Roberts, New Yor Times

Mit dabei waren

  • Graham Roberts, Director of Immersive Platforms Storytelling bei der New York Times. Er stellte Projekte und Strategie von NYTVR vor. In der Zukunft sieht er weniger Cardboard-Brillen als spannenden Distributionsweg, die NYT hatte eine Million der Pappbrillen an Leser verschickt, sondern hofft auf neue höherwertige und gleichzeitig bezahlbare Hardware
Susanne Dickel, IntoVR
Susanne Dickel, IntoVR
  • Susanne Dickel, Co-Founderin von IntoVR. Sie gab zunächst einen Überblick über Projekte, die das Team weltweit umgesetzt hat, und zeigte dann mit Video-Beispielen, wie Nutzer auf journalistische VR-Inhalte reagieren.
Philosoph Dr. Michael Madary, Universität Mainz
Philosoph Dr. Michael Madary, Universität Mainz
  • Michael Madary. Der Philosoph hat an der Universität Mainz über den Einfluss von VR auf den Menschen geforscht und unter anderem Empfehlungen zum Umgang mit VR unter dem Titel „Real Virtuality: A Code of Ethical Conduct“ veröffentlicht. Bei den Berliner Festspielen unterschied er vor allem zwischen zwei Arten der Immersion.
    1. Places/Virtual Environment: VR lässt das Gehirn glauben, man sei an einem anderen Ort. Besonders eindrucksvoll sind diese Erfahrungen, wenn bespielsweise mit einer Roomscale-VR-Brille simuliert werde, man schwebe auf einem schmalen Grat über einem tiefen Abgrund – an oder zwischen Hochhäusern beispielsweise. Eine Erfahrung, die auch bei jedem 360°-Video, das auf einer VR-Brille konsumiert wird, eintritt.
    2. Virtual Embodiment: Die Empfindung einen (anderen) Körper u besitzen und kontrollieren zu können. Hier geht es um das Gefühl, in den Körper eines anderen zu schlüpfen. Eine Erfahrung, die Nutzer auch bei dem Projekt „Was wollten Sie in Berlin?!“ haben, das IntoVR gemeinsam mit der Gedenkstätte Berlin Hohenschönhausen umgesetzt hat. Susanne Dickel zeigte Making-of-Szenen des Projekts bei dem Panel.

Zum Bereich Embodiment zeigte Madary das Beispiel eines Experiments. Dabei nehmen Probanden in einer interaktiven VR Experience die Rolle und den Körper eines Schwarzen Avatars ein. Nach dem Erlebnis sollten die Teilnehmer den gleichen Fragebogen wie zuvor ausfüllen – ihre Äußerungen danach seien „weniger rassistisch“ gewesen, so Madary

„Nutzern der Technologie muss bewusst sein: Es gibt Beweise gibt, dass Virtual-Reality-Erfahrungen einen bleibenden Einfluss auf das Verhalten nach dem Verlassen der der VR-Umgebung haben.“
Dr. Michael Madary

„Nutzern der Technologie muss bewusst sein: Es gibt Beweise gibt, dass Virtual-Reality-Erfahrungen einen bleibenden Einfluss auf das Verhalten nach dem Verlassen der der VR-Umgebung haben.“

 

Moderiert wurde das englischsprachige Panel von Annina Zwettler, Programmkoordinatorin Neue Medien bei ARTE.
Moderiert wurde das englischsprachige Panel von Annina Zwettler, Programmkoordinatorin Neue Medien bei ARTE (links)

Als spannender Einwurf aus dem Publikum kam die Frage nach der Möglichkeit des Missbrauchs der neuen Technologien für Propaganda, die ein Gast fürchtete. Gezeigt wurde als Beispiel die Animation eines türkischen TV-Senders, der mit aufwändigen Effekten die Berichte über den Konflikt in der türkisch-syrischen Grenzregion illustrierte.


Die Antwort der VR-Journalisten klar. Jeder muss verantwortlich produzieren. Doch jedes Medium könne missbraucht werden, in jedem Medium, ob Text, Foto, Video oder VR müssten Redaktionen verantwortlich handeln. Darüber waren sich NYT-Stratege Graham Roberts und die IntoVR-Reporterin einig. „Wir halten uns an journalistische Standards“, so Susanne Dickel. Und wenn Journalisten sich aus dem Medium zurückzögen, hieße das auch nichts Gutes. Dann überlasse man den anderen das Feld, die möglicherweise weniger seriös arbeiten.

Das Schlusswort hatte schließlich auch Susanne Dickel, die trotz möglicher Gefahren auf die Vorteile die neuen Technologien verwies und betonte. „Bei der Geburt eines neuen Mediums“ dabei zu sein, das sei doch faszinierend und man solle vor allem auch die Chancen sehen.

Standards einhalten, Chancen nutzen. Susanne Dickel, IntoVR
„Standards einhalten, Chancen nutzen“. Susanne Dickel, IntoVR