Camp für die Ewigkeit: lieber hier sterben als zurück!

Sie wurde vergewaltigt, ihr Ehemann getötet. Die 18-jährige Rohingya Almasia nimmt die Nutzer der IntoVR-Reportage von Christiane Wittenbecher mit ins größte Flüchtlingscamp der Welt.

Mitten im Dschungel im Süden Bangladeschs entsteht gerade eine riesige Stadt. Das Militär hat den Dschungel abgeholzt und auf dem sandigen und hügeligen Areal Platz für eine Millionen Menschen geschaffen. Seit Monaten fliehen die Rohingya aus ihrer Heimat in Myanmar hierher ins Nachbarland.

NGOs schätzen, dass etwa 60 Prozent aller Rohingya im Camp Kinder sind.
NGOs schätzen, dass etwa 60 Prozent aller Rohingya im Camp Kinder sind.

Es fehlt an allem: Lebensmittel, medizinische Versorgung, Hoffnung. Und doch können sich die meisten nicht vorstellen, in ihre Heimat zurückzukehren. Obwohl ein Abkommen zwischen Myanmar und Bangladesch es den Rohingya jetzt erlauben würde. Aber wer will schon dorthin zurück, wo Dörfer gnadenlos niedergebrannt wurden, Ehemänner und Brüder brutal getötet, Schwestern und Töchter vergewaltigt wurden?

Verstörende Erfahrungen

Die 18-jährige Almasia berichtet: „Sie haben uns alle nacheinander vergewaltigt und alle Frauen getötet. Ich konnte als einzige fliehen. Manchen Frauen haben sie die Brüste abgeschnitten. Ich weiß nicht, warum sie so etwas tun.“

Die 18-jährige Almasia findet keinen Frieden - auch wenn sie hier erstmal in Sicherheit ist.
Die 18-jährige Almasia findet keinen Frieden, auch wenn sie hier erstmal in Sicherheit ist.

Bei Versammlungen im Camp fordern die Rohingya: „Wir gehen nur zurück, wenn unsere Sicherheit garantiert ist, wir anerkannte Staatsbürger von Myanmar werden und unser Land und unsere Häuser zurückbekommen.“ Danach sieht es im Moment nicht aus.

Nurul Islam lässt noch einen weiteren Grund erkennen: „Lieber sterben wir hier. Hier bekommen wir wenigstens ein islamisches Begräbnis gemäß unseren religiösen Traditionen.“ In Myanmar, wo die Leichen teils verbrannt wurden oder unauffindbar sind, ist dieses religiöse Begräbnis nicht möglich. Hier im Camp gibt es bereits große provisorische Friedhöfe.

Interview mit einer Rohingya-Frau die ihren Ehemann auf brutale Weise verloren hat - rechts Mohammad Rafique - Übersetzer
Interview mit einer Rohingya-Frau, die ihren Ehemann auf brutale Weise verloren hat. Rechts Mohammad Rafique, Übersetzer

VR-Storytelling bei Blick

Den Film über die Rohingya präsentiert unser Kunde Ringier AG in der App BlickVR, die kostenlos im Play Store und Apple App Store heruntergeladen werden kann. Nutzer von Desktop-Computern können das Video aus Bangladesch auch auf der Webseite von Blick sehen.

IntoVR im Videoportrait

Mehr über das Medien-Startup IntoVR hier. Neben Konzeption, Dreh, Stitching und Schnitt von Filmen gibt das Team regelmäßig Workshops zu VR Storytelling.

In den Video-Statements: die IntoVR-Macher Susanne Dickel, Martin Heller, Angela Kea, Leon Krenz, Maria Menzel und Christiane Wittenbecher.