Storytelling statt nur teure Technik – Talk beim European Newspaper Congress

Gutes Storytelling für 360°-Videos, das ist weit wichtiger als teure Kameratechnik. Da waren sich Christiane Wittenbecher und Ringier-Videochef Sebastian Pfotenhauer einig beim Panel auf dem European Newspaper Congress in Wien. Die IntoVR-Journalistin gab Tipps für die Produktion von 360°-Videos, der Macher von BlickVR zeigte zudem auf, wie man mit VR im Journalismus Geld verdienen kann.

„Virtual Reality Journalismus im Newsroom“, das Thema des Talks, klingt nach teurem Experimentieren – muss es aber nicht. Das wurde bei dem Expertengespräch auf dem European Newspaper Congress in Wien deutlich. Effizienz beim Produzieren und ein Konzept zur Monetarisierung machen das Thema auch für Zeitungshäuser interessant.

„Es ist kein Wettrennen um die beste Technik, um das teuerste Equipment“, stellte Christiane Wittenbecher klar. „Unser Anspruch ist, auch wirklich eine Geschichte zu erzählen. Und nicht nur das. Die Geschichte so zu erzählen, dass sie auch zu dem Medium passt“. Das Team IntoVR bestehe ausschließlich aus Journalisten, erläuterte sie, wenn auch eine gewisse Technikbegeisterung notwendig sei.

IntoVR-Journalistin Christiane Wittenbecher im Talk beim European Newspaper Congress (Foto ©: European Newspaper Congress)
IntoVR-Journalistin Christiane Wittenbecher im Talk beim European Newspaper Congress (Foto ©: European Newspaper Congress)

Kameras für 360°-Videojournalismus

Noch deutlicher äußerte sich Sebastian Pfotenhauer. „Dieses Bild macht Angst“, sagte er, als Moderator Prof. Dr. Martin Zimper ein Bild von aufwändigeren Kameras aus dem Bestand von IntoVR in einer Präsentation zeigte. „Es gibt sehr kleine Kameras, zum Beispiel von Gopro oder Samsung, mit denen wir Blick-Journalisten aus dem Newsroom ermutigen, selbst 360°-Videos zu drehen.“

Und Christiane Wittenbecher ergänzte: „Wir gucken auch, welche Kamera nutzen wir für welche Situation“, manchmal sei auch eine Kamera für wenige hundert Euro ausreichend.

Geld verdienen: Schwarze Zahlen im Bereich VR

Das Beispiel BlickVR und die Storyteller von IntoVR waren Role Models für die Medienmacher beim Kongress in Wien. Sebastian Pfotenhauer vermeldete Erfolge. „Wir haben vom Start an schwarze Zahlen geschrieben. Es ist nicht so teuer. Wir setzen auf Native Advertising, Branded Content, zur Monetarisierung“.

Ringier-Videochef Sebastian Pfotenhauer beim European Newspaper Congress (Foto ©: European Newspaper Congress)
Ringier-Videochef Sebastian Pfotenhauer beim European Newspaper Congress (Foto ©: European Newspaper Congress)

IntoVR hat seit September 2016 bereits rund 30 journalistische 360°-Filme für Ringiers BlickVR gedreht, meist im Ausland, in Irak, Ukraine, Bangladesch, Grönland, Thailand und vielen weiteren Ländern. Insgesamt hat Ringier seit 2013 rund 120 Produktionen in 360° Video veröffentlicht und damit mehr als 33 Millionen Videoanrufe erreicht.

Verweildauer bei 360°-Videos hoch

Nicht nur die Abrufzahlen stimmen, berichtete Sebastian Pfotenhauer: „Die Verweildauer ist tatsächlich extrem hoch, das haben wir festgestellt. Deswegen spielen wir diese Videos bewusst auch bei uns immer zu Abendzeiten aus oder am Wochenende.“

VR-Bereich beim European Newspaper Congress (Foto ©: European Newspaper Congress)
VR-Bereich beim European Newspaper Congress (Foto © European Newspaper Congress)

Beim Kongress werden zwei 360°-Videos von IntoVR-Autorin Christiane Wittenbecher in einem Ausstellungsbereich auf VR-Brillen gezeigt, eine Reportage aus dem weltgrößten Flüchtlingscamp in Bangladesch sowie der mit dem Deutschen Reporterpreis ausgezeichnete Film „Was wollten Sie in Berlin?!“.

Der gesamte Talk zum Thema VR Journalismus ist auf dem Youtube-Kanal des European Newspaper Congress abrufbar.

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