Herausforderung One-Shot: Dreh mit Patricia Riekel für WELT

Gerade im Journalismus sorgen One-Shot-Videos für besondere Authentizität, weil man nicht einfach zwischendrin neu ansetzen kann. Sie sind aber nicht leicht zu produzieren. Für Welt haben wir es gewagt – bei einem ganz speziellen bewegten Interview-Dreh mit Patricia Riekel.

Wir haben uns einer besonderen Herausforderung gestellt: einem One-Shot-Video. Das ist ein Film, der aus einer einzigen, langen Einstellung besteht. Die Handlung wird also nicht aus mehreren, kurzen Clips zusammengeschnitten. Einige berühmte Regisseure wie Alejandro González Iñárritu oder Alfred Hitchcock nutzten das als Stilmittel.

IntoVR-&-Video-Filmemacherin Susanne Höb hat dafür mit Welt-Autor Frédéric Schwilden zusammen gearbeitet. Die beiden besuchten Patricia Riekel. Die ehemalige Bunte-Chefin will für die FDP in den Münchner Stadtrat.

Patricia Riekel gewährt uns (und den Nutzern) einen kleinen Einblick in ihr Heim. (Screenshot: Welt / Into VR & Video GmbH)
Patricia Riekel gewährt uns (und den Nutzern) einen kleinen Einblick in ihr Heim. (Screenshot: Welt / Into VR & Video GmbH)

One-Shot-Dreh in Ego-Perspektive

Im Video stellt Schwilden ihr viele Fragen hintereinander weg, 35 Fragen in sechseinhalb Minuten, zum Beispiel „Welche Botschaft hast du für (den ehemaligen Verfassungsschützer) Hans-Georg Maaßen?“, „Wie nennt dich dein Mann, wenn er dich verliebt anschaut?“ oder „Warst du schon mal in einem Darkroom?“. Dabei folgt die Kamera Riekel durch das Haus, in die Bibliothek, die Küche und auf den Treppenabsatz mit dem Warhol-Bild von Marilyn Monroe.

Das Video ist in Ego-Perspektive gedreht, Schwilden ist also nie zu sehen, er steht hinter der Kamera. Manchmal sieht man aber seine Hand, beispielsweise wenn er zu Beginn des Videos an die Haustür klopft.

Dabei ist das kleine Produktionsteam aus VJ Höb und Interviewer Schwilden sehr von Vorteil. Denn eine große Crew mit umfangreichem Equipment müsste sich natürlich verstecken, damit sie nicht im Bild zu sehen ist.

Gleich geht's los: Im Video selbst ist nur Schwildens Hand zu sehen. (Screenshot: Into VR & Video GmbH)
Gleich geht’s los: Im Video selbst ist von Schwilden (rechts im Bild) nur die Hand zu sehen. (Screenshot: Into VR & Video GmbH)

Vorab: testen, testen, testen

Damit ein One Shot funktioniert, braucht es einige Planung. Für den Kinofilm „1917“ übte die Crew sechs Monate lang alle Abläufe. Besonders wichtig war es für unser Video, einen genauen Laufweg durch die Wohnung festzulegen. Wo gehen wir lang, wo bleiben wir stehen, welche Gegenstände in der Wohnung beziehen wir mit ein?

Mit Frédéric Schwilden machte Susanne Höb deshalb einige Testläufe. Das dient dazu, sich die Laufwege einzuprägen und gleichzeitig die Kameraeinstellungen zu checken: Wie ist die Belichtung am besten, welcher Abstand wirkt natürlich, wo kann man die Einstellungsgröße verändern, indem man näher an ein Objekt herangeht?

Herausforderung für viele Kameras: Dreh in der Abenddämmerung bei schummrigem Licht (Screenshot: Welt / Into VR & Video GmbH)
Herausforderung für viele Kameras: Dreh in der Abenddämmerung bei schummrigem Licht (Screenshot: Welt / Into VR & Video GmbH)

Lichtstarke Kamera für gute Bilder

Dafür ist auch das richtige Equipment wichtig: Für solche Fälle hat Into VR & Video die lichtstarke Kamera Sony Alpha 7 S ii zur Verfügung. Mit dieser Kamera, zusammen mit ebenso lichtstarken Wechselobjektiven, kann man auch in Situationen mit wenig Licht hochwertige Bilder erzielen.

Außerdem liefert sie 4K-Video. Das bietet Flexibilität im Schnitt, da das Endvideo in Full HD (also mit halb so großer Auflösung) bereitgestellt wird. Im Schnitt kann Höb also das Video bis auf die doppelte Größe skalieren, ohne dass es einen Verlust an visueller Qualität gibt.

Auf dieses Schulterstativ montierte Susanne Höb ihre Kamera sowie die Funk-Empfänger für die Audiosignale.
Auf dieses Schulterstativ montierte Susanne Höb ihre Kamera sowie die Funk-Empfänger für die Audiosignale.

Schulterstativ für einen ruhigen Dreh

Um die Kamera ruhig zu halten, verwendet Susanne Höb ein Schulterstativ. Ein Gegengewicht sorgt dafür, dass sich die Last besser auf Schultern und Armen verteilt. Weil die Kamera auf drei Punkten ruht (beide Arme und Schulter), ist sie außerdem stabiler und die Gefahr geringer, dass das Bild an schwierigen Stellen zu stark verwackelt.

Trotz aller Vorbereitung kann man aber bei so einem journalistischen Projekt nicht alle Eventualitäten ausschließen: Beim Dreh verliert Schwilden den Puschel seines Ansteckmikrofons – ein gefundenes Fressen für Riekels Hund Emil. Im zweiten Anlauf klappt es aber ohne Zwischenfälle.

Auf der Jagd nach dem Puschel: unvorhersehbare Szenen in Riekels Wohnzimmer. (Screenshot: Into VR & Video GmbH)
Auf der Jagd nach dem Puschel: unvorhersehbare Szenen in Riekels Wohnzimmer. (Screenshot: Welt / Into VR & Video GmbH)

Das Video ist bei Welt zusammen mit einem Text von Frédéric Schwilden erschienen.

Das ist Into VR & Video

Wir produzieren innovatives Bewegtbild: Online-, Social-Media-Videos, 360°-Filme, VR Storytelling. Ausgezeichnet mit dem Photokina Motion Picture Award und dem Deutschen Reporterpreis. Auch als DozentInnen für Workshops und SpeakerInnen aktiv.