Ladyboys und Geschlechts-OPs: 360°-Video aus Thailand

Wie fühlen Menschen, die im falschen Körper gefangen sind? Was hat Thailand in der Genderfrage anderen Ländern voraus? IntoVR-Autorin Christiane Wittenbecher zeigt es im 360°-Video.

Während die USA über ein Transgender-Verbot im Militär diskutiert, gehören Transmenschen in Thailand zum Alltag. Nirgendwo sonst sind sie so akzeptiert wie in dem südostasiatischen Land, nirgendwo werden so viele Geschlechtsangleichungen vorgenommen wie in der Hauptstadt Bangkok. Aus der ganzen Welt kommen Menschen und begeben sich in die Hände der Chirurgen.

 

Ladyboys-Show in Bangkok Foto: Leander Wattig)

Ladyboy-Show in Bangkok (Foto: Leander Wattig)

Für alles, was nicht in das Schema „Mann“ oder „Frau“ passt, gibt es in Thailand einen eigenen Namen: Kathoey. Die Erkenntnis, dass es zwischen diesen beiden Polen noch sehr viel mehr gibt, ist hier in Thailand in der breiten Gesellschaft akzeptiert.

Am deutlichsten spüren das vielleicht Touristen im Rotlichtmilieu, wenn sie auf eine der verbreiteten Ladyboy-Bars stoßen. Ladyboys, so nennen sich in Thailand die Menschen, die nicht schon immer als Frau eingeordnet worden sind, sich aber weiblich geben, kleiden und wirken. Die Frage, welche Genitalien diese Frauen haben, ob sie operiert sind oder nicht, spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle.

 

Mit der 360°-Kamera im Rotlichtbezirk

Ich habe mich in Bangkok in einigen dieser Bars herumgetrieben und ganz unterschiedliche Frauen getroffen. Ihre Schönheit und ihr Stolz haben mich fasziniert. In Thailand heißt es, Ladyboys seien die schöneren Frauen.

Ladyboy Jubi erzählte mir gleich als erstes voller Stolz, dass sie keinen Penis mehr hat. Als einzelne Frau in einem Rotlichtclub werde ich sehr genau beäugt. Bin ich Kundin oder will ich nur gucken? Hier zu drehen, war eine Herausforderung. Einerseits wegen der schwierigen Lichtverhältnisse, andererseits weil Fotos knipsende und Video drehende Leute hier nicht gern gesehen sind.

 

Protagonistin Pippa vor Transgender-OP (Quelle: 360°-Video von IntoVR für BlickVR)

Protagonistin Pippa vor Transgender-OP (Quelle: 360°-Video von IntoVR für BlickVR)

Pippa als Protagonistin im 360°-Film

Der eigentliche Grund meiner Geschichte ist aber Pippa. Die Berlinerin fühlt sich seit ihrer Jugend nicht wohl mit ihrem Körper. Im Gespräch erzählt sie mir, wie sich das für sie bemerkbar machte: „Ich merk‘ halt, dass wenn ich mich im Spiegel ansehe, dass das irgendwie nicht richtig ist und dass ich sehr großes Verlangen oder Sehnsucht danach habe, dass es anders wäre.“

Die 23-Jährige hat mir erlaubt, sie auf ihrem Weg zu begleiten. Von den ersten Gesprächen mit den Ärzten bis nach der OP.

 

Die Veränderungen an Gesicht und Genitalien werden gleichzeitig in nur einer Operation durchgeführt.

Die Veränderungen an Gesicht und Genitalien werden gleichzeitig in nur einer Operation durchgeführt.

Pippa hat sich in die Hände der PAI-Klinik von Dr. Preecha Tiewtranon begeben. Er ist einer der renommiertesten Transgender-Chirurgen Thailands, seine erste Geschlechtsangleichung hat er 1978 vorgenommen.

 

Gesicht und Genitalien in nur einer OP

In seiner Klinik erklärt er, wie die OP bei Pippa ablaufen wird: „Zum einen machen wir ihr Gesicht weiblicher und zum anderen ändern wir das Geschlecht von männlich zu weiblich. Zur gleichen Zeit erschaffen wir neue weibliche Genitalien wie den Vaginalkanal und die Klitoris und dann formen wir die äußeren und inneren Schamlippen.“

Die Feminisierung des Gesichts und die Angleichung der Genitalien geschehen gleichzeitig. Die Angleichung der Genitalien kostet hier etwa 20.000 Euro.

 

Protagonistin Pippa nach der Transgender-Operation in Bangkok

Protagonistin Pippa nach der Transgender-Operation in Bangkok

Kurz nach der OP treffe ich Pippa erneut. Meine Neugier ist groß, wie sie sich jetzt fühlt. In den vergangen Tagen habe ich regelrecht mit ihr mitgefiebert. Der schwere Eingriff wirkt aber nach, sie fühlt sich erschöpft und ist kaum in der Lage, mit mir zu sprechen. Die Unsicherheit und Aufregung unmittelbar vor der OP sind nun einer anderen Art der Anspannung gewichen. Wie geht man jetzt mit den neuen Genitalien um? Wir verabreden uns für einen späteren Zeitpunkt noch mal.

Zwei Wochen nach der OP treffe ich Pippa noch einmal in einem Park in Bangkok. Obwohl sie noch nicht hundertprozentig wieder fit ist, erklärt sie sich bereit, vor der Kamera über ihre Gefühle zu sprechen.

 

IntoVR-Storytelling in der VR-App von Blick

Lernt sie selbst kennen im 360°-Video! Den ganzen Film präsentiert unser Kunde Ringier in der App BlickVR, die kostenlos im Play Store und App Store heruntergeladen werden kann.

Nutzer von Desktop-Computern können den 360°-Film über das Transgender-Land Thailand auch auf der Website des „Blick“ sehen.