Mobile Reporting: Mehr als 30 Seminare für den rbb

Mit dem Smartphone Fernsehbeiträge und Videos produzieren – wie das geht, erklärt Dozent Martin Heller von IntoVR & Video. Die electronic media school setzt ihn u.a. als Dozent in Mobile-Reporting-Workshops für rbb-Mitarbeiter ein. Und Führungskräften zeigt er, wie Redaktionen die Handy-Technik sinnvoll in Produktionsabläufen integrieren können.
Von Clemens Hirmke

Mobile Reporting bedeutet, mit dem Smartphone oder Tablet Videos zu produzieren. Reporter, die mit dem Smartphone drehen und schneiden, nennt man auch MoJos (mobile journalists).

Manueller Weißabgleich, cineastische Schärfenverlagerungen: das Smartphone als professionelles Arbeitsgerät für TV- und Videomacher. Foto: Into VR & Video GmbH
Mittlerweile sind Smartphones so leistungsstark, dass es möglich ist, damit komplette Filme professionell zu drehen und zu schneiden. Dafür benötigt man nur passende Apps und Zubehör. Auch Farbkorrekturen, Effekte und mehrspuriger Schnitt sind mit ein wenig Übung auf dem Handy machbar. 

Vorteile von Mobile Reporting

Für Claudia Höfling, Projekt- und Innovationsredakteurin beim Programm-Management des rbb, bietet Mobile Reporting vor allem drei Vorteile:
  • Die Produktion ist kostengünstiger. Das Smartphone plus der weiteren Ausrüstung kostet nur einen Bruchteil im Vergleich zu einer EB-Kamera.
  • Der fertige Beitrag ist schneller verfügbar. Journalisten können mit dem Handy direkt vor Ort drehen, schneiden und senden.
  • Es wird mehr Video-Content generiert, da weniger Mitarbeiter pro Beitrag benötigt werden. So werden auch in den ländlichen Regionen Brandenburgs Videos produziert, die zuvor nur mit einem EB-Team täglich auskommen mussten.
Erste Kamera, zweite Kamera: Smartphone. Längst ist das Handy mehr als nur ergänzend im Einsatz. (Foto: Into VR & Video GmbH)
Erste Kamera, zweite Kamera: Smartphone. Längst ist das Handy nicht nur ergänzend im Einsatz. Foto: Into VR & Video GmbH

Laut Claudia Höfling werden die dadurch gewonnen finanziellen Ressourcen nicht komplett eingespart, sondern auch in die Digitalisierung investiert. Die Seminar-Serie ist noch nicht abgeschlossen, auch 2020 erhalten Mitarbeiter noch Schulungen.

Praxisnahe Schulung für den rbb

Die Trainings sind konzipiert und organisiert von der electronic media school in Babelsberg, einer Einrichtung u.a. in Trägerschaft von Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) und Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) für Aus- und Fortbildung im Medienbereich.

An der ems werden Journalisten crossmedial aus- und fortgebildet.  Foto: Into VR & Video GmbH
Unsere IntoVR & Video-Dozenten Christiane Wittenbecher und Martin Heller haben als Teil eines Trainerteams der Schule seit Herbst 2018 mehrere rbb-Redaktionen im Bereich Mobile Reporting ausgebildet. Allein Martin Heller hat mehr als 30 Seminare gehalten und dabei über 200 Kollegen des öffentlich-rechtlichen Senders geschult.

Claudia Höfling vom rbb, die neben der electronic media school Initiatorin der Fortbildungsreihe ist, findet es besonders wichtig, dass alle Mitarbeiter des Senders eine praxisnahe Schulung erhalten. Das Ziel sei „eine flächendeckende Schulung des TV-Bereichs in allen Bereichen also: Reporter, Redakteure, Cutter, Kameraleute und die Chef-Ebene“, so Claudia Höfling. Der Inhalt der Seminare ist auf die jeweilige Zielgruppe abgestimmt.

„Bei den Entscheider-Seminaren geht es nicht darum, dass sie die Praxisarbeit erlernen. Sie sollen über die Möglichkeiten bei der Mobile-Reporting-Berichterstattung erfahren und welche technologischen Entwicklungen zu dem Thema aufkommen“, erklärt Claudia Höfling. 

Mobile Reporting im regelmäßigen TV-Programm

Der rbb produziert inzwischen zahlreiche Beiträge mit dem Smartphone: Regelmäßig laufen am Handy produzierte Videos im Programm. In der Magazinsendung „zibb“ werden täglich Beiträge von MoJos gesendet. In der „Abendschau“ und „Brandenburg aktuell“ sind es mehrere Handy-Beiträge pro Woche.

Für die Redaktion von „Kowalski & Schmidt“ werden per Smartphone zusätzliche Bilder gedreht, da oft nur ein Kamerateam für einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung steht und die Drehs oftmals im Ausland sind. Die Reporter drehen dann Bilder mit dem Handy, die sie ohne Smartphone nicht hätten drehen können, und die die Beiträge aufwerten.

Für Mobile-Reporting-Dozent Martin Heller ist diese Entwicklung bemerkenswert: „Das Handy ist mittlerweile völlig normaler Bestandteil professioneller Video- und Fernsehstrukturen. Selbst erfahrene Fernsehmacher akzeptieren das Handy als gutes Werkzeug, um Videos zu produzieren.“

Die besten Apps zum Filmen und Schneiden am Handy

Die Dozenten schulen kleine Gruppen von maximal zehn Teilnehmern. Es geht um die besten Workflows und die besten Apps zum Filmen und Schneiden.

Mit einem Doppelklick auf die entsprechende Spur öffnet sich ein weiteres Menü. Foto: Into VR & Video GmbH

Außerdem erklären die Referenten, wie man Mikrofone oder anderes zusätzliches Equipment wie Gimbals, zum Beispiel das Gimbal DJI Osmo Mobile 2, richtig anwendet. Ein Gimbal stabilisiert das Handy bei Bewegungen und ermöglicht so, wackelfreie Bilder zu kreieren. „Damit kann man das Handy zum Beispiel durchs hohe Gras fliegen lassen und hochwertige und ruhige Videoaufnahmen produzieren“, sagt Dozent Martin Heller.

Am Ende hat jeder ein kleines Erfolgserlebnis: der erste eigene Film, komplett auf dem Smartphone produziert. Claudia Höfling berichtet über durchweg positives Feedback der Teilnehmer: „Es macht allen Riesenspaß, die Routine muss aber durch Einsätze in der Praxis gestärkt werden.“

Die Arbeit mit Gimbals sollte man üben, aber der Aufwand lohnt sich. (Foto: Into VR & Video GmbH)
Die Arbeit mit Gimbals sollte man üben, aber der Aufwand lohnt sich. Foto: Into VR & Video GmbH

Kurse für Journalisten und andere Teilnehmer geeignet

Die MoJo-Kurse eignen sich nicht nur für Journalisten. Sowohl die electronic media school (ems) als auch IntoVR & Video bieten diese Seminare auch für Pressestellen, für Kunden aus der professionellen Kommunikation oder Unternehmen an.

Mobile Reporting: Drehen, Schneiden, Senden - alles mit einem Gerät. (Foto: Into VR & Video GmbH)
Mobile Reporting: Drehen, Schneiden, Senden – alles mit einem Gerät. Foto: Into VR & Video GmbH

Je nachdem, wie Kunden diese Videos einsetzen möchten, passen die Dozenten die Seminare an: So bietet das Team auch Schulungen an für die Produktion von Videos für Story-Formate oder Feeds auf Social Media oder für Websites – jegliche Formen von Inhalten, die Nutzer in Zeiten des digitalen Wandels konsumieren.

Trainer Martin Heller findet es immer wieder erstaunlich, wie schnell die Teilnehmer Erfolge erzielen: „Da sind Kollegen dabei, die kaum Erfahrung mit der Produktion von Videos haben. Am Ende sind sie begeistert, was sie alles mit dem Smartphone produzieren können.“

Best Practice: Mobile Reporting im Einsatz

Diese Reportage ist innerhalb von einer Stunde mit dem iPhone gedreht worden, zum Teil mit dem motorisierten Stabilsator DJI Osmo 2. Hier lag der Fokus auf Effizienz und Schnelligkeit.

Ähnlich bei diesem Video. Es wurde innerhalb von zwei Stunden geschnitten wurde und stand bereits auf der Seite, bevor die Demonstration zu Ende war.

Diese Reportage hat Christiane Wittenbecher fürs Y-Kollektiv mit dem iPhone gedreht. Wir nutzen Mobile Reporting auch oft für unsere Zwecke, beispielsweise für Making Ofs, um unsere Projekte auf Social Media zu bebildern, wie hier einen 360°-Video-Dreh in Montenegro:

Weitere Beispiele sind diese Making Of von einem Dreh in Brandenburg sowie ein kurzer Social-Media-Snippet über ein mobiles VR-Kino.

Neben den Einsätzen bei der ems Babelsberg arbeiten unserer Mobile-Reporting-Trainer auch bei anderen Einrichtungen und Kunden: ARD/ZDF-Medienakademie, Henri-Nannen-Schule, Axel Springer Akademie, Akademie der Deutschen Medien, Journalistenschule IfP, FH St. Pölten, Telekom, Berlin Partner, Cornelsen, u.v.m. Auch bei der Into VR & Video GmbH selbst finden Schulungen mit unserem Trainerteam statt.

Das ist IntoVR & Video