TV- und Videojournalismus trotz Corona

Seit Wochen beherrscht Corona die Schlagzeilen. Für uns als Journalisten Herausforderung und Chance zugleich. Es bedarf gewisser Sicherheitsvorkehrungen und kreativer Themenideen.

In der Corona-Krise zählen Journalisten und Medienvertreter zur sogenannten systemrelevanten Infrastruktur. Dafür gibt es in Berlin und Brandenburg offizielle Regeln. Hier gelten die Sonderregeln für “offizielle Medienvertreter”. Alle Teammitglieder von IntoVR & Video haben einen Presseausweis und Formulare von den Redaktionen. Dies erlaubt uns, auch derzeit mobil zu sein. Beim Videodreh mit Handschuhen und Mundschutz.

Videojournalist Clemens Himke, Into VR & Video GmbH (Quelle: Martin Heller, IntoVR.de)
Videojournalist Clemens Himke, Into VR & Video GmbH (Quelle: Martin Heller, IntoVR.de)

Wir achten darauf, unsere Protagonisten vor der Kamera nicht in Gefahr zu bringen. Beim Dreh bei der Berliner Tafel galten verschärfte Sicherheitsbestimmungen. Unser Videojournalist Clemens Hirmke durfte nur mit Handschuhen und Mundschutz drehen. Diese teilte die Berliner Tafel aus. Am Drehort wurde der Sicherheitsabstand eingehalten.

17 Videointerviews in zwei Tagen

Eine besonders herausfordernde Aufgabe war die Produktion von 17 Interviews im Auftrag des RBB an einem Wochenende. Genau wie unsere 360°-Videos aus den Museen oder dem Berliner Zoo, war dies ein Auftrag im Rahmen von “Der RBB macht´s”.
560 Kilometer durch Berlin und Brandenburg – 17 Interviews an zwei Tagen – alles umgesetzt von einer Person. Unser VJ Clemens Hirmke stellte Fragen am Küchenfenster oder per Zuruf über den Gartenzaun.

Der Filmemacher Peter Schwierz im Videointerview – mit ausreichend Abstand.

Dabei war ein Landwirt, der für ein Erntefest im Herbst schon die Vorbereitungen trifft. Oder auch eine Yoga-Lehrerin, die dreimal in der Woche zur Online-Session einlädt. Mehrere Protagonisten boten an, sich bei der Suche nach weiteren potentiellen rbb-“Mutmachern” zu beteiligen. So waren die Interviews an einem Wochenende im Kasten. Eine gelungene Abwechslung zum Alltag im Home-Office. Rausgekommen sind Clips, die beim rbb im TV und Online liefen. 

Dabei kam unsere Sony XDCAM PXW-FS5 zum Einsatz. Das Mikrofon wurde mit ausreichend Abstand zur Kamera platziert. Bei einem Interview im Landkreis Ostprignitz-Ruppin kam die Polizei vorbei und wollte unseren VJ schon zurück nach Berlin schicken. Doch dank des Presseausweises durfte er weiterdrehen. Im Gegensatz zum O-Ton Partner. Leider musste dieser zurück nach Potsdam, denn dort ist sein erster Wohnsitz.

Mit dem Atomos Ninja V hat unser VJ auch bei starkem Sonnenlicht alles gut im Blick.

Nur ein VJ – weniger Ansteckungsrisiko

Im journalistischen Bereich arbeiten wir mit dem Prinzip Videojournalist. Eine Person kümmert sich beim Videodreh um die Kameraarbeit und das Inhaltiche, später meist auch um den Schnitt inklusive Tonmischung. Das minimiert das Ansteckungsrisiko.

Bei Straßenumfragen dreht unser Videojournalist Clemens Hirmke mit einem Einbeinstativ. Um den nötigen Abstand zu den Protagonisten einzuhalten, angelt er den Ton und stelllt dabei die Kamera auf dem Stativ fest. So wird unnötiger Körperkontakt vermieden. Inhaltlich gilt es bei solchen Straßenumfragen, emotionale O-Töne herauszuarbeiten. Besonders im Kopf geblieben ist das Zitat einer 93-Jährigen Frau:

“Ich bin sowieso alt genug, wenn ich abkratze, spare ich mir mühsame Jahre.”

Zu Corona hat jeder eine Meinung

Allerdings ist spürbar, dass die Leute im Laufe der letzten Wochen eine Übersättigung erfahren haben und nicht mehr so bereitwillig Rede und Antwort stehen. Die monothematische Berichterstattung sehen wir als Journalisten auch kritisch und versuchen dem entgegenzuwirken. 

Die Zuschauer wünschen sich Ablenkung

In der aktuellen Berichterstattung kommt man um das Thema Coronavirus nicht mehr herum und manche ZuschauerInnen sehnen sich möglicherweise nach anderen Themen in der Berichterstattung.

Deswegen haben wir mit der TV-Köchin Felicitas Then passend zum Frühlingswetter ein Service-Video über Grilltipps produziert. Lächelnd zaubert sie dabei auf einem kleinen Grill Gemüsespieße und selbst mariniertes Fleisch. Der kleine Grill passt garantiert auf jeden Balkon und Garten.

Auf der Dachterrasse: Videojournalist Clemens Himke, Into VR & Video GmbH (Quelle: Martin Heller, IntoVR.de)
Auf der Dachterrasse: Videojournalist Clemens Himke, Into VR & Video GmbH (Quelle: Martin Heller, IntoVR.de)

Natürlich achteten wir auch hier auf die Abstandsregeln. Desinfektion des Ansteckmikros – die Protagonistin legt es sich an – los geht´s! Das Grillvideo mit leckeren Tipps zum Selbermachen gibt es hier.
Zusammen mit unseren Auftraggebern erarbeiten wir derzeit schon die nächsten Themen – natürlich von zu Hause aus.

Verändertes Geschäft durch Corona

Viele feste Termine sind auch für uns aufgrund von Corona weggebrochen. Ob Workshops, längere Reportagen oder Drehs auf Messen. Deswegen produzieren wir derzeit mehr aktuellen Journalismus. Back to the roots sozusagen – Into VR & Video ist ein Verbund von ausgebildeten Journalistinnen und Journalisten.  Deswegen freuen wir uns, dass wir wieder mehr Journalismus produzieren. Auch wenn der Umfang der Ausfälle damit nur zum Teil kompensiert werden kann.

Arbeiten mit Mund-/Nasenschutz: Videojournalist Clemens Himke, Into VR & Video GmbH (Quelle: Martin Heller, IntoVR.de)
Dreh mit Mund-/Nasenschutz: Videojournalist Clemens Himke, Into VR & Video GmbH (Quelle: Martin Heller, IntoVR.de)

Arbeit im mobilen Office

Wir achten bei uns im Büro darauf, dass wir die nötigen Abstandsregeln einhalten. Deswegen hält sich maximal eine Person im Büro auf. Dazu verlagern wir die Postproduktion der Projekte an den mobilen Arbeitsplatz am heimischen Schreibtisch, Balkon oder in den Garten.

Um in Kontakt zu bleiben nutzen wir Videokonferenzen. Wir produzieren in gewohnt hoher Qualität. Und dazu gesund – mit einer hohen Sendesicherheit. Lassen wir uns also nicht nehmen, was wir am liebsten machen: Mit Leidenschaft produzierte Videos.