„Absolut glücklich“: Brot für die Welt über VR-Fundraising mit IntoVR

Wie entwickelt man ein 360°-Video fürs Fundraising und was kann man damit erreichen? IntoVR-Gründerin Susanne Dickel und Michael Türk von Brot für die Welt geben Einblicke in die Produktion der VR-Experience „Help the Afar“.

Das 360°-Video soll Spendern die Projektregion im Nordosten Äthiopiens näher bringen und zeigen, wofür ihr Geld verwendet wird. Beim Fundraising Radio, einem Podcast zum Thema Fundrasing, sprechen Michael Türk, Referent für Unternehmenskooperation bei Brot für die Welt, und Susanne Dickel, Produktionsleitung von IntoVR, eine halbe Stunde über die Hintergründe.

In der VR-Experience nimmt Afar-Nomadin Momina Abdul den Nutzer mit in ihre Heimat. „Sechs Stunden muss ich zur Wasserstelle laufen“, erzählt sie. Im 360°-Film begleitet man sie zur Wasserstelle und in ihr Dorf und erfährt dabei direkt, wie der Klimawandel das Leben der Menschen in der Wüstenregion beeinflusst und erschwert.

Und der Nutzer trifft Valerie Brown, die mit Brot für die Welt und Apda versucht, die Situation der Menschen vor Ort zu verbessern. Mit ihr geht es zum Beispiel mitten zwischen kleine Mangobäumchen, die die Nomaden anpflanzen, um ihre Nahrungsversorgung zu verbessern.

Warum mit IntoVR – Fokus Storytelling

Michael Türk im Gespräch mit Valerie Browning, die Projekte in Äthiopien vorantreibt. Foto: Brot für die Welt
Michael Türk im Gespräch mit Valerie Browning, die Projekte in Äthiopien vorantreibt. Foto: Brot für die Welt

Türk erzählt im Podcast, wie wichtig es ihm war, mit einem Unternehmen zusammenzuarbeiten, das natürlich die Technik beherrscht, aber gleichzeitig auch Kompetenz in Sachen Storytelling besitzt – wie IntoVR. „Ich war absolut glücklich, hier jemanden zu finden, mit dem ich das zusammen umsetzen konnte.“

Susanne Dickel erklärt, wie sie das Storyboard mit Türk entwickelte, von der groben Idee hin zu konkreten Szenen: „Wenn Wasser ein Problem ist, dann müssen wir Wüste zeigen. Wir müssen zeigen, wie die Menschen da leben. Wichtig beim Storytelling ist, dass man Gesichter hat, also Menschen, die uns dieses Problem vermitteln. Es war also klar, wir brauchen eine Frau, einen Menschen aus der Gemeinschaft vor Ort, der mit uns zum Beispiel zur Wasserstelle geht.“

Protagonistin Momina bei einem ersten Test vor der 360°-Kamera (für alle Experten: nein, wir haben nicht mit dieser Kamera in der Hütte gedreht).
Protagonistin Momina bei einem ersten Test vor der 360°-Kamera (für alle 360°-Experten: nein, wir haben nicht mit dieser Kamera in der Hütte gedreht). Foto: Susanne Dickel / IntoVR

Vom Storyboard auf dem Papier zum Dreh

Sowas lässt sich auf dem Papier gut planen – in der Realität vor Ort war die Filmemacherin auch mit ungeahnten Herausforderungen konfrontiert. Dem Podcaster Maik Meid berichtet sie vom ersten Drehtag auf einem Markt: „Ich habe angefangen, die Kamera aufzubauen, und dann bildete sich eine Menschentraube von vielleicht 50 Personen um mich. Und ich dachte schon ‚Oh mein Gott!‘ Weil das Erlebnis für den User dann ist: Da steht eine Menschenmenge um mich herum und starrt mich an.“

Glücklicherweise war das Filmteam dann aber doch interessanter als die Technik, sodass alle Dickel und Türk folgten, sobald die beiden ins Versteck liefen. „Das war der lustigste Moment auf diesem Markt“, erinnert sich Türk.

Bei 360°-Videodrehs verstecken sich die Filmemacher in der Regel bei der Aufnahme, um nicht mit im Bild zu sehen zu sein.

Der Viehmarkt in Chifra: Hier werden Schafe, Ziegen, Kühe und Kamele verkauft. Das große Treiben ist perfekt für die 360°-Kamera.
Der Viehmarkt in Chifra: Hier werden Schafe, Ziegen, Kühe und Kamele verkauft. Das große Treiben ist perfekt für die 360°-Kamera. Foto: Michael Türk / Brot für die Welt

VR – nur was für große Unternehmen?

Mit Podcaster Meid spricht Dickel auch über die technische Entwicklung der Kameras und er fragt, ob sich so eine Produktion nur große Organisationen leisten könnten. Dazu erklärt Dickel, dass IntoVR einerseits Workshops anbiete, sodass Interessierte lernen könnten, wie man 360°-Videos produziert. Andererseits müsse es ja nicht immer das Projekt in Äthiopien sein: „Wenn man etwas hier vor Ort machen kann, was in ein, zwei Drehtagen abgedreht ist, dann wird das natürlich günstiger.“

Die wichtigste Frage für Meid aber: Wie waren denn die Reaktionen auf das Video? „Die Rückmeldungen sind alle positiv. Die Leute sagen: ‚Wow, das ist so, als wäre ich da.‘ Das ist genau das, was ich mir erhofft hatte“, sagt Türk.

Die Afar leben vom Fleisch und der Milch ihrer Ziegen. Aus der Milch machen sie Butter, in dem sie sie in Lederbeutel füllen und schütteln, wie dieser Junge.
Die Afar leben vom Fleisch und der Milch ihrer Ziegen. Aus der Milch machen sie Butter, in dem sie sie in Lederbeutel füllen und schütteln, wie dieser Junge. Foto: Susanne Dickel / IntoVR

Die Reaktionen

Das Virtual-Reality-Projekt habe auch als Eisbrecher und Türöffner funktioniert. Nachdem er den Menschen den Film gezeigt habe, sei er mit ihnen ins Gespräch über das Projekt gekommen. „Es gab spontane Reaktionen von Menschen, die gesagt haben: ‚Wahnsinnsprojekt, da spende ich für!‘ Und die haben dann auch wirklich gespendet.“

Der Return of Invest, verrät er, habe bei sieben gelegen. „Das ist weit mehr, als ich gedacht hatte. Und es ist eine super Motivation, da weiter zu machen.“

Den ganzen Podcast zum Anhören hier: https://www.fundraising-radio.de/frr081-virtual-reality-im-fundraising/