360°-Video im Workshop: Mit Immersion Mobbing erlebbar machen

Wie fühlt es sich eigentlich an, gemobbt zu werden? Das zeigt ein 360°-Video, das zehn Jugendliche bei einem Workshop mit IntoVR produziert haben.

Die Jugendlichen arbeiteten mit einfach zu bedienenden Consumer-Kameras wie dieser Samsung Gear 360.
Die Jugendlichen arbeiteten mit einfach zu bedienenden Consumer-Kameras wie dieser Samsung Gear 360. (Foto: Maria Menzel / IntoVR)

Die Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen elf und 18 Jahren kommen aus einem betreuten Berliner Wohnprojekt und lernen innerhalb einer Woche, wie man in 360° Geschichten erzählt. Unterstützt werden sie dabei von den erfahrenen Dozentinnen Christiane Wittenbecher und Susanne Dickel. Das Trainer-Team wurde ergänzt durch Maria Menzel, Lorenz Vögel und Julia Vorkefeld. Sie vermitteln ihnen jeden erforderlichen Schritt zur Erstellung von 360°-Videos.

Von der Themenfindung, Storyboard-Entwicklung bis hin zum Filmdreh erarbeiten sich die Teenager unter intensiver Anleitung alles selbst. Das fordert sie, benötigt Teamarbeit und stärkt ihr Selbstwertgefühl. Teilnehmerin Sonja sagt über die Woche: „Das ist ein Projekt, was man nicht alle Tage macht, einen Film in 360° zu drehen. Man ist aktiv und das macht Spaß“. Teilnehmer Murat schätzt die Gruppenarbeit und dass man „zusammen etwas erschafft“.

Wie kreiert man ein 360°-Video? IntoVR-Trainerinnen Susanne Dickel (l.) und Christiane Wittenbecher (r.) erklären zunächst die Basics.
Wie kreiert man ein 360°-Video? IntoVR-Trainerinnen Susanne Dickel (l.) und Christiane Wittenbecher (r.) erklären zunächst die Basics. (Foto: Maria Menzel / IntoVR)

Hartes Thema: Wie fühlt sich Mobbing an?

Das Gefühl, zusammen produktiv zu arbeiten und am Ende etwas selbst zu kreieren, vermittelt Schaffenskraft und Empowerment. Das Thema wählt die Gruppe selbst und schnell ist klar: Es soll um Mobbing gehen. Nach einigen Brainstorm-Runden steht die Geschichte: Die Kamera, und damit später der User, wird zum Opfer. In verschiedenen Situationen umkreist den Zuschauer eine Gruppe von Mobbern, sie lachen über ihn, beleidigen ihn. So können die Nutzer nacherleben, wie es ist, gemobbt zu werden.

Damit gibt das Video einen Einblick in die Problemwelten der Jugendlichen. Das Filmprojekt kann ihnen helfen, diese Thematik zu reflektieren. Sylvia Wolf, die betreuende Wohngruppenleiterin der Jugendlichen, sagt: „Ich finde das Projekt irre gut, weil es den Jugendlichen Medienkompetenz vermittelt. Außerdem finde ich das Thema sehr passend, weil die Jugendlichen in einer Zwangsgemeinschaft zusammen leben müssen und hier im Projekt einmal selbst bestimmen können nach ihren Vorstellungen.“

Wie baut man eine Geschichte auf? Storyboard-Erstellung zum VR-Film mit PostIts
Wie baut man eine Geschichte auf? Storyboard-Erstellung zum VR-Film mit PostIts. (Foto: Maria Menzel / IntoVR)

IntoVR-Trainer als Geburtshelfer

Trotz der Schwere des Themas kommt der Spaß bei Dreh, Drehplan-Erstellung und Stoffentwicklung nicht zu kurz. Dabei lernen die Jugendlichen nicht nur etwas über Storytelling und kreative Schaffensprozesse, sondern sie erwerben auch soziale Kompetenzen, übernehmen Verantwortung und lernen den Umgang mit einem jungen Medium.

Es ist eine Workshop-Woche, die viel abfordert, aber auch allen Beteiligten viel gibt. Das IntoVR-Team ist begeistert. Trainerin Susanne Dickel findet: „Die Jugendlichen waren sehr kreativ. Sie hatten viele Einfälle und wussten nach kurzer Zeit ziemlich genau, wie ihr Film aussehen soll. Wir waren eigentlich nur ‚Geburtshelfer‘ in diesem Prozess. Wir mussten schauen, wie man diese Ideen mit filmischen Mitteln umsetzen kann. Es macht großen Spaß, mit ihnen zu arbeiten.“

Christiane Wittenbecher sagt: „Es ist Wahnsinn, wie schöpferisch und schaffensfreudig die Jugendlichen sind. Sie haben sich ganz bewusst für ein Thema entschieden, das ihnen wichtig ist und sind bei der Umsetzung sehr ambitioniert. Das Medium 360°-Video passt perfekt, um ihre Botschaft zu vermitteln.“

Die Jugendlichen erfahren im Workshop, wie man konzipiert, dreht und schneidet.
Die Jugendlichen erfahren im Workshop, wie man konzipiert, dreht und schneidet. (Foto: Maria Menzel / IntoVR)

Empowerment durch kreatives Schaffen

Das Projekt ist eine Kooperation mit  FILM OHNE GRENZEN und der Diakonischen Arbeitsgemeinschaft Sozialpädagogischer Initiativen gGmbH (DASI Berlin). Möglich wurde es dank der Förderung durch die Stiftung Berliner Sparkasse. Es soll den Jugendlichen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr zu Hause leben können, Zuversicht und Selbstbewusstsein geben. Die zuständige Bereichsleiterin von DASI Stefanie Hellmann sagt: „Sie erfahren dadurch enorme Selbstständigkeit und erleben, was es bedeutet, kreativ zu sein und dabei etwas entstehen zu lassen. Dies stärkt und festigt ihre Persönlichkeit – Eigenschaften, die sie im weiteren Leben voranbringen werden.“

Am Ende der Woche wurde der Film von IntoVR und den Kids bei einem VR-Kinoabend präsentiert.

Text: Julia Vorkefeld

Allein mit dem Tagebuch: Making-Of-Foto aus einer Szene des 360°-Videos über Mobbing
Allein mit dem Tagebuch: Making-Of-Foto aus einer Szene des 360°-Videos über Mobbing. (Foto: Maria Menzel / IntoVR)

IntoVR ist eine Berliner Produktionsfirma, die im Auftrag von MedienunternehmenNGOs und Unternehmen innovative Videoinhalte erstellt. Unsere langjährige Erfahrung bei Storytelling und Video- sowie 360-Grad-Produktionen teilen wir gern, indem wir Kunden ausführlich beraten und unser Wissen regelmäßig als Dozenten in Workshops sowie als Speaker bei Konferenzen, Meetups und Messen weitergeben.